paradies spielen (abendland.ein abgesang)

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Thomas Köck

Mit fesselnder poetischer Wucht und starken Metaphern arbeitet sich dieses Stück tief hinein in die offenen Wunden unserer Zeit. Dabei stellt es verblüffende Zusammenhänge zwischen verschiedenen Episoden her, die sich unabhängig voneinander ereignen: Ein Mann liegt mit schweren Verbrennungen auf einer Intensivstation im Koma. Sein überhitzter Körper, an dem giftige Polyesterreste kleben, ist dem tödlichen Kollaps nahe. Angesichts dieser Tatsache sehen sich seine Angehörigen mit der eigenen Ohnmacht konfrontiert. – Eine Gruppe Reisender fährt im ICE durch die mitteleuropäische Landschaft. Man philosophiert in absurd-komischen Beziehungskonstellationen darüber, ob Ruhe oder Bewegung, ob dauernde Ver­änderung für Mensch und Landschaft günstig seien. Dann bemerken die Passagiere, dass der ICE sämtliche Bahnhöfe überfährt und mit zunehmender Geschwindigkeit einem unbekannten Ziel entgegen rast. Was sollen sie nun tun? – Zwei chinesische Arbeiter entscheiden sich, ihre Heimat zu verlassen. Illegal reisen sie um den halben Globus, um in der italienischen Textilstadt Prato ein neues Leben zu beginnen. Hier sind sie in einer Fabrik zwischen Polyesterstoffen untergebracht und produzieren Mode „Made in Italy“ unter den gleichen Bedingungen wie zu Hause. Gibt es für sie lebbare Alternativen?

premiere 22. September 2018

regie: Moritz Peters
bühne, kostüm: Nehle Balkhausen
musik: Marc Eisenschink
video: Moritz Peters

mit: Jonas Götzinger, Arne Lenk, Laura Maria Hänsel, Franziska Melzer, Jon-Kaare Koppe, Mascha Schneider, Philipp Mauritz

Hans Otto Theater Potsdam https://www.hansottotheater.de/spielplan/a-z/paradies-spielen-abendland-ein-abgesang/

 

Presse

„Die sieben jungen Schauspieler gestalten Köcks Textfläche mit großer rhythmischer Präzision. Sie wechseln so virtuos zwischen distanziertem Vorführen und empathischer Figureneinführung, dass es ein Kunststück ist.“

Mounia Meiborg, Süddeutsche Zeitung

 

„Eine atemberaubende und beglückende Inszenierung.“

Karim Saab, Märkische Allgemeine Zeitung

 

„Globalisierung, Kapitalismus, Klimakatastrophe: Die Menschheit fährt sich selbst gegen die Wand. Bei Regisseur Peters tut sie das ungeheuer temporeich und faszinierend präzise choreografiert. Die große Stärke der Inszenierung liegt in ihrer nahezu durchgängig chorischen Umsetzung. Der Chor kommt dabei trotz des Thema keineswegs wuchtig, sondern angenehm leicht daher, dient dem Stakkato des Textes und unterstreicht seinen lyrischen Grundton."

Katrin Pauly, Berliner Morgenpost

 

„Eine erstaunlich klare, ideenreiche Spiel- und Sprechoper. Erstaunlich, weil Köcks sperrig konstruierter Wortfluss über die ökonomisch-ökologische Katastrophe unserer Gegenwart hier plötzlich sehr greifbare Bilder, Rhythmen und Ziel bekommt.“

Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung

 

„,paradies spielen‘ in der Regie von Moritz Peters ist hochtourig durchkomponiertes Theater, das sich aller verfügbaren Mittel bedient: ein hochdisziplinierter Chor, übersteuerte Beschleunigungsbeats (Sound: Marc Eisenschink), hysterisch überdrehte Dialoge, Videomaterial. Es wird live gesungen und Kunstblut gibt es auch. Dennoch: ,paradies spielen‘ ist ein gedanklich unerhört dichter Abend. Das liegt an dem sich vor keiner Überforderung fürchtenden Text von Thomas Köck, der keine Silbe dem Zufall überlässt. Und es liegt an dem siebenköpfigen Ensemble, das sich auf den Text stürzt wie auf ein gefundenes Fressen. Jonas Götzinger, Laura Maria Hänsel, Franziska Melzer, Jon-Kaare Koppe, Mascha Schneider, Philipp Mauritz und Arne Lenk, sie alle sind der ,ausgebrannte Chor im ewigen ICE der Spätmoderne‘, aber auch deutlich erkennbare einzelne Figuren.“ - Lena Schneider, Potsdamer Neueste Nachrichten

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