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Eine szenische Lesung zu Alice Munro

Alice Munro hat vierzehn neue brillante Geschichten geschrieben. Sie erzählt darin von Neuanfängen und - persönlich wie nie zuvor - von sich selbst.
Aufgewachsen zwischen Land und Stadt, zwischen traditionellem und modernem Frauenbild lässt Munro ihren eigenen biografischen
Konflikt auch in ihren Geschichten aufscheinen. Ihre um Klarheit ringenden Figuren leben in verunsicherten Zuständen. In Szenen und Dialogen, die gewöhnlich erscheinen, wird das Unheimliche des alltäglichen Lebens sichtbar.
Jele Brückner nähert sich in einer szenischen Lesung diesem widersprüchlichen Seelenkosmos Munros. Dabei spiegelt sich die Lesende in der Geschichte der Schreibenden und der ihrer Figuren. Die Distanz wird bewusst aufgelöst und im nächsten Moment wieder gesucht. Mit Texten, Taschen, einem Klappstuhl und ihren Requisiten „bewaffnet“ tritt Jele Brückner wie eine wandernde Geschichtenerzählerin vor die Zuschauer. So versucht sie dem Publikum Munros Erzählungen nahezubringen weil sie offenbar selbst so sehr von ihnen durchdrungen ist. Ihr eigenes Bühnenbild „unterm Arm mitbringend“ breitet sie sich und ihre Geschichte für den Moment der Lesung aus, um am Ende weiterzuziehen und nichts zu hinterlassen als den Eindruck der Erzählungen im Kopf des Zuschauers. Dabei wechselt die Lesende zwischen Identifikation mit der jeweiligen Hauptfigur und dem sich selbst zurücknehmenden Vorstellen des Textes.
Anhand der autobiografischen Erzählung „Liebes Leben“ versucht sie Munros Kindheitserinnerungen in Ontario nachzuvollziehen um jenes Dazwischen – zwischen Land und Stadt – sinnlich erfahrbar zu machen.
In „Amundsen“ wird anschließend kühl beobachtend von der jungen Lehrerin Vivian erzählt. Diese tritt an einem Sanatorium in der winterkalten Atmosphäre der Bergwelt Ontarios ihre erste Stelle an. Vivian liefert sich aus Schutzbedürftigkeit und Sehnsucht nach einem ihr intellektuell und emotional entsprechenden Gegenüber dem Arzt Fox aus. Einsamkeit treibt beide in die Verlobung. Eine Geschichte von Obsession und Enttäuschung.
In der ebenfalls biografischen Geschichte „Nacht“ beginnen die Grenzen schließlich zu verschwimmen. Die Lesende verliert sich scheinbar vollständig in der erzählten Welt und beginnt mit den Worten und Gedanken der kindlichen Alice Munro auch über ihre eigene Schlaflosigkeit zu berichten.
Danach bricht sie wieder auf. Zu einer neuen Lesung, einem neuen Ort, einer neuen Geschichte.
Ein flüchtiger Abend der die Schnittstellen zwischen Theater, Performance und Lesung sucht .

Regie, Bühne			Moritz Peters
Konzept, Textauswahl		Jele Brückner, Moritz Peters   
Mit				Jele Brückner   Schauspiel Essen 2014 

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