eine jugend in deutschland

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Ein Projekt von Moritz Peters und Carola Hannusch nach Ernst Toller

1914: Ernst Toller, einer der meistgespielten Dramatiker des frühen 20. Jahrhunderts, zieht als Freiwilliger in den Ersten Weltkrieg. Seine anfängliche Begeisterung schwindet rasch angesichts des erlebten Kriegsgrauens. Für nicht wehrfähig erklärt, kehrt er als radikaler Pazifist zurück, den sein politisches Engagement für die Münchner Räterepublik fünf Jahre ins Gefängnis bringt. Nach traumatischen Kriegserfahrungen, dem Scheitern der politischen Utopie und Jahren der Haft nimmt sich Toller 1939 im Alter von nur 45 Jahren desillusioniert im New Yorker Hotel Mayflower das Leben.
2014: Die Bundeswehr wird einen Großteil ihrer Kampftruppen aus Afghanistan abziehen. Zurück kehren Soldaten, die an Kriegseinsätzen teilgenommen haben und von denen viele an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Heute wie vor 100 Jahren versuchen Kriegsheimkehrer den Wiedereinstieg in ihren Alltag, stellen die Frage nach Sinn und Nutzen ihres Einsatzes und hoffen auf eine Verarbeitung ihrer Erlebnisse.
In seiner 1933 verfassten Autobiografie “Eine Jugend in Deutschland” zeichnet Ernst Toller nicht nur ein beeindruckendes Bild seiner eigenen Jugend in ihrer Zerrissenheit, sondern porträtiert nach eigener Ansicht “die Jugend einer Generation und ein Stück Zeitgeschichte dazu”. In einem Hotelzimmer in New York lässt er noch einmal sein Leben an sich vorüberziehen – ein maßgeblich von den Geschehnissen des Ersten Weltkriegs geprägtes Leben, welches den deutschen Schriftsteller, Politiker und Revolutionär jüdischer Herkunft immer wieder mit dem Dilemma konfrontiert, dass die Erreichung pazifistischer und politischer Ziele unter Umständen den Einsatz von Gewalt rechtfertigt oder sogar erzwingt. Tollers Lebensstationen werden mit Zeitdokumenten und Berichten von Heimkehrern aus Afghanistan und anderen Kriegs- und Krisengebieten kombiniert. Erfahrungen aus dem unmittelbaren Einsatz, erlittene Traumata und deren Bewältigung sowie die Frage, wie ein Leben nach dem Krieg aussehen kann, verdichten sich zu einer Collage, die über eine rein historische Betrachtung des Phänomens Krieg hinausgeht und die Frage nach der Notwendigkeit kriegerischer Einsätze stellt – nicht zuletzt angesichts aktueller Debatten und Vorwürfe: Verhält Deutschland sich in Konflikten zu passiv?

 

Regie: Moritz Peters
Bühne: Lisa Rohde
Kostüm: Christina Hillinger
Musik: Tobias Schütte
Video: Daniel Frerix
Mit: Thomas Büchel, Stefan Diekmann Axel Holst, Sebastian Klein, Janina Sachau, Silvia Weiskopf, Jens Winterstein
Schauspiel Essen 2014

 

Presse

“Peters will in zweieinviertel pausenlosen Stunden alles, blutgetränkte Geschichtsstunde und bewegendes Seelenpanorama, politische Auseinandersetzung und Chronik eines in der Öffentlichkeit verdrängten Krieges.”
WAZ 21.10.2014, Martina Schürmann

In der Uraufführung schlagen Moritz Peters und Carola Hannusch beschickt einen Bogen zur Jugend, die 100 Jahre später in den Afghanistan-Krieg zog. (...) Spielerisch beginnt Peters´Inszenierung, wird dann immer dichter und intensiver, was auch an der großartigen Leistung der sieben mit viel Körpereinsatz agierenden Schauspieler liegt. (...) Passen sind die Bezüge, die sich zwischen 1914 und 2014 ergeben. Ein lohnender, anregender Abend.
Ruhr Nachrichten, 21.Oktober 2014, Julia Gaß

Immer wieder setzen sich die Soldaten in Marsch. Bleiben aber auf der Stelle, weil sich die Bühne dreht. Ein Sinnbild für die Stagnation an der front. Klare Bilder einer direkten Inszenierung. Die gelungene Textauswahl der Collage und der insgesamt stimmige Rhythmus zwischen Kriegsszenen und Innenschau der Figuren sorgen für einen ausgewogenen und interessanten Abend. Ein Inszenierung ohne erhobenen Zeigefinger.
WDR5, 20. Oktober 2014, Christoph Ohrem

In einer beklemmenden Collage werden Tollers Kriegserfahrungsberichte mit den Aussagen der Afghanistan-Heimkehrer verschnitten. (...)
Ganz bewusst inszenieren Moritz Peters und Carola Hannusch eine Zumutung für das Publikum. In keiner Sekunde des 135minütigen Abends wird irgendetwas weichgespült. (...) Es sei, als wäre Säure in die Seele gesickert, beschreibt einer der Kriegsheimkehrer seine Traumatisierung. So fühlt sich auch der Zuschauer nach dieser eindrucksvollen Inszenierung, die durchaus schwer erträgliche Momente hat. Schwer erträglich ist aber nur Matter, not Art: Der Inhalt lastet auf der Seele, die Kunst überzeugt.
Theater Pur, Dietmar Zimmermann

Moritz Peters inszeniert das alles als eine Art Erinnerungsraum. (...) Es wird jetzt nicht das große Schlachtengemetzel gezeigt, sondern es wird eher abstrakt dargestellt. (...) (Die Verbindung von 1914 und 2014) ist eine ganz interessante Mischung, weil wir sehen, weil wir spüren, wer dort leidet, und dass in einem Krieg, und in diesen aktuellen Auseinandersetzungen, die Soldaten schuldig werden, egal was sie machen. Ob sie nun teilnehmen oder nicht teilnehmen. Und das ist ein ganz interessanter Aspekt der in der momentanen Debatte auch eine große Rolle spielt, über das Eingreifen in Syrien oder dem Irak.
WDR3, 20. Oktober 2014 Martin Burkert

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