1984

trailer fotos infos

nach george orwell

Duncan McMillan/ Robert Icke

Der in 1984 von George Orwell beschriebene Staat Ozeanien steht für totale Überwachung. Winston Smith, der immer brutaler in die Fänge dieser Überwachung gerät, beginnt ein geheimes Tagebuch zu führen als ein Zeugnis für die Zukunft, als ein Aufruf zum Widerstand. Eine Botschaft für die Ungeborenen oder doch nur eine rein subjektive Schilderung der Welt? Stück für Stück wird das Publikum in Winstons Welt gezogen und mit Fragen konfrontiert, die aktueller sind denn je: Woher weiß man, dass irgendetwas in dieser Welt real ist? Was ist Wahrheit in einer auf allen Ebenen manipulierten Kontrollgesellschaft? Wie sehr darf man Fakten trauen und welchem Wechselspiel unterliegen Wahrheit und Propaganda? Anfang diesen Jahres hat das Werk in den USA und auf dem deutschen Buchmarkt online die Spitze der Bestsellerliste erreicht. Duncan Macmillan und Robert Icke ist mit ihrer neuen Bühnenfassung das scheinbar Unmögliche gelungen: Ein grandioser theatraler Ansatz, ein frischer, unverstellter Blick auf Orwells dystopischen Roman-Klassiker aus einer neuerlichen Zukunft, dem Jahr 2050.

premiere 9. März 2018

regie: Moritz Peters
bühne, kostüm: Bernhard Nichotz
musik: Fabian Kuss
video: Daniel Frerix

mit: Claudia Hübschmann, Gerhard Mohr, Frank-Peter Dettmann, Jonas Riemer, Christoph Rinke / Bálint Tóth, Linn Sanders, Benedikt Thönes

Theater Münster https://www.theater-muenster.com/produktionen/1984.html/m=188

 

Presse

Helmut Jasny, Westfälische Nachrichten, 11. März 2018

1984 als zeitgemäße, aktuelle Inszenierung Als Georg Orwell vor 70 Jahren seinen Roman »1984« schrieb, dachte noch niemand an eine digitale Revolution. Deshalb nimmt sich die Arbeit von Winston Smith, der im »Ministerium für Wahrheit« alternative Fakten schafft, für heutige Verhältnisse relativ altmodisch und beamtenhaft aus. In der Bühnenfassung von Robert Icke und Duncan Macmillan, die am Freitag im Kleinen Haus Premiere hatte, geht es da schon zeitgemäßer zu. Überhaupt inszeniert Moritz Peters recht aktuell und in dieser Aktualität stimmig. Agiert wird in einem riesigen Glaskubus (Bühne: Bernhard Niechotz), dessen Interieur eher an Silicon Valley als an karges England erinnert. Die Protagonisten konsumieren Designer-Nahrung und verbringen ihre Freizeit im Fitnessstudio, wo sie auch Big Brother huldigen, den man sich als eine Art Computernetzwerk vorstellen kann. Winstons Versuche, der allgegenwärtigen Überwachung zu entkommen, scheitern an genau dieser Überwachung. Ebenso verhält es sich mit seiner Liebe zu Julia, die er später unter Folter verrät. Gut ins Konzept passt, dass die Folter hier mit Hilfe virtueller Realität ausgeführt wird. Ebenfalls ein schönes Detail ist das Stück Isolierband, das Winston und Julia im geheimen Zimmer über ihre Kopfmikrofone kleben, ähnlich wie man die Linse seines Smartphones abklebt. Und dass die Überwachungsmonitore an smarte Lautsprecher erinnern, ist wohl auch kein Zufall.

zurück